„Die Kunst ist mein Weg, um bei mir anzukommen."
In dieser Ausstellung “Aktiv- Aktion- Akt” präsentiere ich Werke, bei denen der Fokus auf dem schöpferischen Prozess legt.
Komm in “AKTION”
In einer Welt, die oft auf Perfektion und messbare Ergebnisse fixiert ist, bilden diese Ausstellungwerke einen Gegenentwurf: Sie feiern die Unvollkommenheit, die Intuition und die heilende Kraft des Augenblicks.
Gearbeitet mit Naturmaterialien wie Erde, Sand, Kreide und reinen Farbpigmenten, schlagen die Werke eine Brücke zwischen Mensch und Natur. Jedes Stück ist ein energetischer Abdruck des Entstehungsprozesses.
Die Exponate sind keine rein dekorativen Objekte, sondern spürbare Erfahrungen. Sie erzählen vom Loslassen alter Muster und dem Mut, sich der eigenen Intuition anzuvertrauen. Die Kunst dient hier als Medium zur inneren Klärung und zur Rückgewinnung persönlicher Stärke.
Die Ausstellung lädt dazu ein, Kunst nicht nur zu betrachten, sondern als Resonanzraum zu erleben.
Anette Nöß
SCHNEE VON GESTERN.
Was ist heute noch von Bedeutung, wenn die Welt sich im Minutentakt neu erfindet?In dieser Arbeit wird die Flüchtigkeit unserer Zeit radikal physisch. Hier wurden zwei der vergänglichsten Elemente unserer Zivilisation und Natur zusammengeführt: die Tageszeitung von gestern und frisch gefallenen Schnee. Der Prozess: Schnee, der im Warmen schmilzt, wird zu Wasser. Nachrichten, die gelesen wurden, werden zu Altpapier. Zusammen verschmelzen sie in einem Eimer zu einer grauen Pulpe – einem Einheitsbrei der Information und der Materie. Alles Spezifische, jede Schlagzeile, jeder Wetterbericht löst sich auf. Was bleibt, ist eine formbare Masse, ein Nullpunkt.
Das Schöpfen- Das Glück der Formwerdung! Aus diesem Brei entstanden durch meine Hände neue Formen: Kugeln, Kreise, flache Scheiben. Es ist ein ritueller Akt des Schöpfens. Doch das eigentliche Werkstück ist nicht das Papierobjekt, das hier vor Ihnen hängt. Das eigentliche Werk ist der „Moment of Being“ – jener Augenblick der inneren Ruhe, der Zufriedenheit und des reinen Seins, der während des Formens entstand.
Was hat Bestand? Die Installation stellt uns die unbequeme Frage nach der Vergänglichkeit. Wenn die Zeitung von heute, in dem Moment wir diese lesen, schon „Schnee von gestern“ ist – was bleibt uns dann noch? Die Antwort liegt im Prozess selbst. Während die äußere Form – das Papier, die Kugel, das Wort – der Zeit unterworfen bleibt, ist der Moment der tiefen, inneren Präsenz unzerstörbar. Er bleibt als ein positives Erlebnis „im System abgespeichert“. „Schnee von gestern“ ist eine Einladung, den Fokus zu verschieben: Weg vom Konsum der unzähligen flüchtigen Augenblicke, hin zur schöpferischen Tiefe des Seins. Denn nur das, was wir im Moment der Ruhe empfinden, hat das Potenzial, die Zeit zu überdauern.
Komm zum Punkt.
Punkt ist eine Aktion der Stille. Ein leeres Blatt. Der erste Punkt. Was folgt, ist kein Plan, sondern ein Rhythmus der Hingabe.In der meditativen Wiederholung fügt sich Punkt an Linie, Linie an das große Ganze. Es ist eine Aktion der Stille, in der das Denken verstummt und der Geist luftig wird.Während die Hand den Raum füllt, ordnet sich das Innere neu. Ein tiefes Gefühl der Transformation steigt auf – ein Moment des „Neu-Geboren-Seins durch den eigenen Schoß“.Dieses Werk ist das Sichtbare einer unsichtbaren Erneuerung. Es lädt Sie ein, nicht nur die Punkte zu betrachten, sondern die Stille dazwischen zu spüren.
"X MAL DURCHGEKAUT"
Diese Installation ist eine Darstellung dessen, was wir im Kopf so oft "X mal durchkauen".Jeder einzelne dieser Kaugummis steht für einen Gedanken, eine Sorge, eine Erinnerung, die wir immer wieder in unserem Geist wenden und drehen. Es sind die endlosen Schleifen der Grübelei, die unverarbeiteten Erfahrungen, die ungeklärten Fragen, die wir nicht loslassen können. Und – genau wie der Kaugummi, der, obwohl durchgekaut, noch da ist und eine Form annimmt – so sind auch unsere "durchgekauten" Gedanken Teil unserer Geschichte, unserer Prägung. Diese Installation fragt uns: Woran klammern wir uns? Was ist die Essenz, die wir immer wieder suchen, aber nie ganz finden? Wann ist der Moment gekommen, dieses Gedankengut endlich loszulassen und Platz für Neues zu schaffen? "X mal durchgekaut" lädt ein, innezuhalten. Es ist eine Aufforderung, die eigenen mentalen Muster zu erkennen.
Betrachten Sie die Masse der Kaugummis. Ist sie eine Bürde oder birgt sie vielleicht die Chance, die Muster zu durchbrechen? Manchmal braucht es ein äußeres Bild wie dieses, um zu erkennen, was in unserem Inneren ungesehen und unaufhörlich arbeitet. Wie oft könnten wir uns selbst fragen: "Ist dieser Gedanke schon X mal durchgekaut?"
Scheiß doch die Wand an !
Ein Befreiungsschlag gegen die Ohnmacht. Schicksalsschläge und weltpolitische Erschütterungen prallen oft ungefiltert auf uns ein – sie zermürben und hinterlassen das Gefühl des Ausgeliefertseins. In diesem Werk wird die Wut zum Werkzeug der Selbstbehauptung. Mit ungefilterter Energie wurden schwere, aushärtende Materialien wie Zement und Alabastergips auf die Leinwand geschleudert. Es ist eine physische Entladung; ein Akt des Widerstands gegen die Last des Außen. Die finale Überlagerung mit Neon-Pink verwandelt die Schwere in „krasse Scheiße“ – ein greller farbiger Schrei nach vorne. Äußerlich bleibt die Weltlage gleich, doch innerlich findet eine Neubesetzung statt: Die Wand wird nicht mehr nur getroffen, sie wird zur Fläche der eigenen Wirksamkeit. Vom Ertragen zum Erschaffen. Von der Wut zur Freiheit.
Ich esse diese Suppe nicht!
Das Relikt: Der Löffel. Er diente nicht der Nahrungsaufnahme, sondern als Katapult mit welchem die "Scheiße" auf die Leinwand geschleudert wurde. (vorheriges Werk "Scheiss doch die Wand an") Dass er nun in leuchtendem Pink erstarrt ist, markiert das Ende der Passivität. Die Erkenntnis: Die Situation im Außen mag sich nicht ändern – doch wer aufhört zu schlucken und beginnt zu schleudern, erlangt seine Souveränität zurück. „Scheiß doch die Wand an – ich esse diese Suppe nicht.“
Ein sehr befreiende Aktion mit einer großen Löffel Selbstwirksamkeit.
„Zement und Gips waren die Last, die ich nicht mehr tragen wollte. Das Schleudern war pure Notwehr gegen das Gefühl der Ohnmacht. Doch als das Neon-Pink auf den nassen Beton klatschte, passierte etwas Magisches: Die Wut wurde über ihre Kraft zur Erleichterung.
In diesem Moment wurde aus der ‚grauen Last‘ eine ‚krasse Scheiße‘, über die ich wieder lachen konnte.
Ich habe die Situation nicht gelöst, aber ich habe sie besetzt.
Das Pink ist mein Sieg über die Schwere – der Beweis, dass meine Energie lauter ist als das, was auf mich einschlägt.“
Fazit:
Ob durch die präzise Stille des Punktes oder den rohen Schrei des Schleuderns: Am Ende steht die Erkenntnis, dass wir dem Außen nicht ausgeliefert sind. Wir entscheiden, welche Nahrung wir annehmen und welche Energie wir der Welt entgegensetzen.
„Ankommen. Loslassen. Neu werden. – Und wenn es sein muss: Die Wand anscheißen.“
Die Schale der Resonanz (Schwingung statt Schwere)
Papier ist luftig und leicht.
Im Gegensatz zum Zement, der aufprallt und hart wird,
schwingt Papier mit der Luft.
Sie steht für eine neue Art der Kommunikation mit der Welt.
Wir müssen nicht alles „fassen“ (begreifen oder festhalten).
Manchmal reicht es, die Form zu bieten, damit ein Impuls hindurchwandern kann.
Ein „empfangendes Nicht-Erfassen“.
Vertrauen – dass genau das hängen bleibt, was für unsere eigene „bunte Art zu leben“ wichtig ist.
Verbundenheit: Alles nährt Alles
Dieses Werk begann im Dialog mit der Natur – an der Rinde einer Birke. Die Leinwand dient als Abdruck der Borke, bearbeitet mit Farbe.
Der künstlerische Prozess stagnierte und um weiter zu kommen, musste die Leinwand in Streifen gerissen werden.
Was als Zerstörung der Form beginnt, endet in einer neuen, höheren Ordnung. Das ineinander verweben der Streifen war ein beruhigender Rhythmus und symbolisiert Verbundenheit und tiefe Vernetzung.
Nichts existiert isoliert; jeder Streifen hält und stützt den anderen. Es ist ein Sinnbild für das Leben selbst, das sich aus Fragmenten zu einem tragfähigen Geflecht nährt und durchwächst.
Das Alte wird gelöst, das Neue verwoben. Ein Zustand des Ankommens im Großen Ganzen.
Ur-Vertrauen & Die Membran der Zeit
Im Zentrum dieses Werkes steht eine Linde. Sie ist kein bloßes Objekt der Natur, sondern ein Ankerpunkt der Zeit, tief verwurzelt im Boden der Heimat. Als stummer Zeuge von Generationen verkörpert sie eine Kraft, die uns hält, wenn alles andere in Bewegung gerät.
Durch die Umhüllung des Stammes mit feinem Baumwollgewebe wurde die raue Borke in eine textile Haut transformiert. Diese Membran schafft eine Brücke zwischen der massiven, jahrhundertealten Energie des Holzes und der sanften Haptik der Kunst. Die textile Struktur macht das Unsichtbare greifbar: Die Furchen der Geschichte treten reliefartig hervor und erzählen vom Überdauern.
Ankommen im Lebensfluss
Die Linde bietet uns einen Raum, sie fängt uns auf und hält uns. Sie ist lädt uns ein, die Stille zu erleben, vertrauensvoll und voll Freude mit dem Strom des Lebens zu fließen.
Urvertrauen PUR
Eine Reise zur Essenz - der bunte Weg zur eigenen Art
„Kunst ist mein Weg, um bei mir anzukommen.“ Dieser Leitsatz ist das Fundament meiner Reise, die vom Ballast der Vergangenheit direkt in die tiefe Geborgenheit des Seins führt. Alles beginnt mit dem Mut, den Schnee von Gestern nicht länger als Last zu tragen, sondern ihn zu verwandeln in ein neu formbares Startkapital (Pulpe) um dies für den Neubeginn zu nutzen. Durch dieses Loslassen und umwandeln werden die Moments of Being frei – jene intensiven Augenblicke purer Präsenz, die mir als Powerpakete die nötige Energie schenken, um im eigenen Rhythmus sicher zum Punkt zu kommen. Aus dieser Zentrierung heraus bereiten sich der Boden für eine Neugeburt aus dem eigenen Schoß, in der die eigene, bunte Art zu leben ihre erste Form annimmt.
Doch dieser Weg erfordert auch die Kraft der Souveränität. Wen ich bei mir ankommen will, muss ich lernen, die „graue Suppe“ der Ohnmacht und der äußeren Erwartungen zu verweigern. Mit dem impulsiven Befreiungsschlag von Neon-Pink verwandeln sich Zement und Gips – die Symbole für das Schwere und Erstarrte – in eine souveräne Selbstbehauptung. Ich setzte dadurch meine eigene Energie wieder frei und öffne mich somit für den Geist der Resonanz.
Am Ende dieser Wandlung steht die Heilung in der Verwebung. Unter dem schützenden Dach unserer 380-jährigen Hof- Linde spüre ich ein tiefes Urvertrauen und komme dadurch in meinen eigenen Lebensfluss zurück. Im Einklang mit dieses großen Ganzen zu schwingen so finden ich meine wahre Heimat – die Gewissheit, unlösbar mit allem verwoben zu sein und durch jeden Moment des Seins genährt zu werden. Es ist das Ankommen bei mir selbs: Der bunte Weg zur eigenen Art.
Alles nährt alles. Urvertrauen PUR!
Der Moment des Übergangs - HighLight
Inspiriert durch einen Sonnenuntergang am Aggenstein, fängt das Werk jenen flüchtigen Bruchteil von Zeit ein, in dem die Nacht bereits seitlich in die Landschaft greift, während ein letzter, kraftvoller Lichtstrahl gegen die Dunkelheit rebelliert. Übergänge in unserem Leben werden oft als krisenhaft, eng und bedrohlich wahrgenommen. Doch die künstlerische Arbeit macht sichtbar, dass gerade in dieser Verdichtung eine unheimliche Leuchtkraft liegt. So wie das Licht am Gipfel des Aggensteins durch die herannahende Dunkelheit in eine schmale, aber extrem kraftvolle Bahn gezwungen wird, so führen uns auch lebensgeschichtliche Engpässe zu einer neuen Essenz. Die Enge ist hier nicht das Ende, sondern die Bedingung für das „Highlight“.
Das Werk lädt dazu ein, den Moment des Schwindens nicht zu bekämpfen, sondern ihn bewusst zu durchschreiten. Erst durch die Akzeptanz der einbrechenden Nacht entsteht der Raum für den alles überstrahlenden Lichtstrahl. Die seitlich hereinbrechende Nacht markiert die Grenze des Bekannten. Was bleibt, ist ein glühender Pfad – ein Wegweiser durch das Nadelöhr der Wandlung. Dieses Werk ist eine Einladung an den Betrachter, die eigenen Schwellenmomente neu zu bewerten: nicht als Verlust, sondern als die Geburtsstunde einer neuen, intensiven Klarheit.
"In der engsten Stelle des Übergangs erfahren wir die höchste Konzentration unseres Seins. Das Licht weicht nicht – es verdichtet sich zur Erkenntnis."
SYMPHONIE: Die Kunst der Resonanz
Saiten des Seins – Vom richtigen Ton zum großen Ein-Klang.
Dieses Werk ist kein stilles Bild, es ist ein Resonanzraum. Senkrecht gespannte Schnüre ziehen sich wie Saiten über die Leinwand und verwandeln die Fläche in ein Instrument der Verbundenheit. Sie sind das ordnende Element, das die Fragmente unserer Existenz zu einer Partitur des Lebens verwebt.
Die Suche nach der Stimmung: Das Spannen jeder einzelnen Schnur gleicht der Suche nach der inneren Stimmigkeit. Es ist ein Prozess des Justierens: Wie viel Spannung braucht es, um den richtigen Klang zu finden? Nicht zu fest, um nicht zu reißen – nicht zu locker, um nicht zu verstummen. Jede Saite ist eine Verbindungslinie zwischen Himmel und Erde, zwischen dem Ich und dem großen Ganzen.
„Symphonie“ ist das aktive Mitschwingen im Lebensfluss. In einer Welt voller Dissonanzen ist dieses Werk ein Ankerpunkt für die eigene Harmonie.
- Verbindung: Die Schnüre halten das Gefüge zusammen; sie sind die unsichtbaren Fäden des Urvertrauens, die uns mit allem Lebendigen vernetzen.
- Ein-Klang: Das Werk lädt uns ein, innezuhalten und zu lauschen. Bin ich im Einklang mit mir selbst? Schwinge ich mit dem Rhythmus des Lebens?
- Das große Ganze: Hier wird spürbar, dass wir keine isolierten Einzeltöne sind, sondern Teil einer gewaltigen, universellen Melodie.
Dieses Werk erinnert uns daran unseren wahren Klang zu finden.